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Veranstaltung

Dienstag, 4. Oktober 2022 - 18.00

Friedrich Christian Laukhard: »Meine Kampagne in Frankreich«

Weimar - Herzogin Anna Amalia Bibliothek

»Seine Kampagne in Frankreich, die nunmehr orthographisch und grammatisch modernisiert und mit knappen Kommentaren erläutert vorliegt, hat nichts an Unmittelbarkeit und Frische verloren und damit auch nichts an Drastik.«
- Walter Schübler, FAZ

»Man kann diese Selbstdarstellung wohl als einmalig bezeichnen.«
- Ralph-Rainer Wuthenow

+++ 200. Todestag Friedrich Christian Laukhards: 28. April 2022 +++
+++ 230. Jahrestag Kanonade von Valmy: 20. September 2022 +++

»Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen« – schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die sogenannte Kanonade von Valmy im Jahre 1792, in der das revolutionäre Frankreich das preußisch-österreichische Invasionsheer zurückschlug. Die aufständischen Bürger hatten gewonnen. Aber Goethe schrieb den berühmten Satz mit 30 Jahren Abstand – direkt in der Situation dachte keiner in weltgeschichtlichen Epochen. Eher versuchte man die eigene Haut aus dem Chaos zu retten.

Einer, der auch »dabei gewesen« ist, war Friedrich Christian Laukhard, wie Goethe ein Gelehrter und Autor. Aber er war nicht als Teil der Heerführung unterwegs, gut verpflegt, mit Pferd und Diener, sondern als einfacher Soldat – oft im Freien kampierend, hungernd, frierend, durchnässt, teilweise barfuß.

Wer Laukhard liest, lernt den Krieg aus der Sicht des »gemeinen Soldaten« kennen. Man weiß nicht recht, wo man ist, verliert mehr Kameraden durch Hunger und Ruhr als durch den Feind, man befolgt unsinnige Befehle, hat Zweifel am Sinn des Ganzen. Laukhard hat durchaus Sympathien für die Revolution und misstraut der Propaganda. Wer Laukhard liest, lernt etwas über die Eigendynamik des Krieges, wo aus Hunger geplündert wird, Gewalt mehr Gewalt erzeugt und am Ende jeder sich selbst am nächsten ist.

Dabei behält Laukhard immer seinen unverwechselbaren Blick, verliert nie seinen mal verschmitzten, mal sarkastischen Humor und seine Fähigkeit zur scharfen Analyse. Und er hat immer im Auge, worauf es in egal welchen Umständen am meisten ankommt: die Menschlichkeit.

Friedrich Christian Laukhard wurde 1757 in Wendelsheim/ Pfalz als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren. Ohne Interesse studierte er Theologie und geriet mehrfach wegen seiner Trunksucht und seiner unverblümt kritischen Äußerungen in Schwierigkeiten. Nach Stationen in Gießen, Göttingen und in der Pfalz landete er in Halle, wo er 1783 zum Magister promoviert wurde. Auf Grund von Schulden ging er bald danach zur preußischen Armee und gelangte dort als gelehrter, schreibender Soldat zu einiger Bekanntheit. Er nahm am Feldzug gegen Frankreich teil, an der Kanonade von Valmy, bei der Belagerung von Mainz und der Entsetzung Frankfurts. 1795 sollte er – als Deserteur getarnt – einen Verwandten zur Aufgabe der Festung Landau überreden. Laukhard wurde enttarnt, schloss sich vorübergehend den Sansculotten an, aber musste auch aus Frankreich fliehen, wobei er nur knapp der Guillotine und einem tödlichen Duell entrann. 1795 kehrte er nach Halle zurück und schrieb zahlreiche Romane, Sachbücher und seine Memoiren. 1822 starb er in Kreuznach.

Wolfgang Hörner wurde 1964 in Öhringen (Hohenlohe) geboren und lebt in Berlin. Er studierte in Würzburg, Heidelberg und York. Von 1990 bis 1998 arbeitete er für den Eichborn Verlag, Frankfurt, 1998 gründete und leitete er Eichborn Berlin bis 2008. Seit 2009 leitet er gemeinsam mit Esther Korman den Verlag Galiani Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Verleger ist er auch als Herausgeber und Vermittler tätig und schrieb etwa Vor- und Nachwörter zu Büchern von Erasmus von Rotterdam, Johann Fischart, Gottlieb Mittelberger, Laurence Sterne, Johann Karl Wezel, Ferdinando Galiani, Jürgen Dahl und Ai Weiwei.

Tobias Roth wurde 1985 in München geboren, wo er inzwischen wieder lebt. Er studierte in Freiburg und Berlin und wurde 2017 an der HU Berlin promoviert. Seit seinem Debut, dem Gedichtband »Aus Waben« (Verlagshaus Berlin 2013), veröffentlichte Roth als Autor, Übersetzer und Herausgeber über zwei Dutzend Bücher. Der von ihm ausgewählte, übersetzte und mit Erläuterungen versehene Foliant »Welt der Renaissance« erschien 2020 im Verlag Galiani Berlin. Seit 2021 gibt er »Die Grüne Reihe« im Sukultur Verlag heraus. Tobias Roth ist Gründungsgesellschafter des Verlages Das Kulturelle Gedächtnis, der bereits mehrfach von der Stiftung Buchkunst (2017, 2020), mit dem Deutschen Verlagspreis (2020, 2021) und dem Berliner Verlagspreis (2021) ausgezeichnet wurde.

Guido Naschert wurde 1969 in Münster/Westf. geboren und ist Philosoph und Literaturwissenschaftler. Nach dem Studium und der Promotion in Tübingen unterrichtete er an Universitäten in Gießen, München und Erfurt. Er ist »Fellow« am Forschungszentrum Gotha und Geschäftsführer der Literarischen Gesellschaft Thüringen. 2017 gab er im Schöningh-Verlag die Aufsatzsammlung mit neueren Forschungen »Friedrich Christian Laukhard (1757–1822). Schriftsteller, Radikalaufklärer und gelehrter Soldat« heraus.

Friedrich Christian Laukhard: MEINE KAMPAGNE IN FRANKREICH. Textlich eingerichtet, kommentiert und mit einem Anhang versehen von Reinhard Kaiser, Wolfgang Hörner, Tobias Roth, Stefan Reiserer unter Mithilfe von Dirk Sangmeister und Guido Naschert. 14×21,5 cm, gebunden, mit Kopffarbschnitt, Prägung und Lesebändchen, 400 Seiten, 26,- €

http://daskulturellegedaechtnis.de/work/laukhard/

Lesung und Gespräch: Wolfgang Hörner und Tobias Roth

Moderation: Guido Naschert

Ort: Bücherkubus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar

Beginn: 18.00 Uhr

Eintritt frei

Eine Veranstaltung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Kooperation mit der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. Gefördert von der Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e.V.