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Mitteilungen

5. September 2023

Lesereihe »Was kommt nach Ostdeutschland?«

Ab 11. Oktober in der LiteraturEtage

In sieben Jahren wird es »Ostdeutschland« länger gegeben haben als die DDR bestanden hat. Was erzählen wir heute über diesen Teil des Landes, über seine Menschen, seine Gegenwart und Vergangenheit? Was erzählen wir nicht und warum tun wir das nicht?

In der Veranstaltungsreihe »Was kommt nach Ostdeutschland?« stellen wir jüngere erzählerische Positionen vor, die sich dem Thema auf unterschiedliche Weise nähern.


Eröffnungsveranstaltung

Judith Rinklebe / Seline Seidler

Vernissage: Lyrik - Prosa - Utopie: 89/90 als Bezugspunkt für eine post-ostdeutsche Zukunft

Mittwoch, 11. Oktober,19:00 Uhr, Eintritt frei

2021 veröffentlichten Judith Rinklebe und Seline Seidler das Zine »POSSI - Magazin für (post-)ostdeutsches Empowerment«. Die im Rahmen der Lesereihe entstehende Ausstellung ist ein Überprüfen und Weiterdenken der darin begonnen Auseinandersetzung mit den revolutionären Potenzialen der sogenannten Wendezeit und wird so zu einem neuen, begehbaren Wandzine.

Judith Rinklebe (*1996, aufgewachsen in Ost-Berlin) ist Kulturwissenschaftlerin mit Forschungsschwerpunkt Erinnerungskultur. Seline Seidler (*1998, aufgewachsen in Suhl) ist Regieassistentin und Regisseurin und arbeitet interdisziplinär zu feministischen Diskursen.


Bitte beachten: Die geplante Lesung von Anne Rabe am 18.10. wurde auf Do., den 18. Januar 2024 verschoben.


Lesung und Gespräch

Tobias J. Knoblich und Mathias Kubitza

Mittwoch, 18. Oktober,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

Bilder sagen mehr als tausende Worte? Nicht immer: Die Fotos von Mathias Kubitza animierten Tobias Knoblich zum Schreiben. Es beginnt mit Bildern vom Osten. Mathias Kubitza hält fest, was er durch seine Linse sieht. Die sparsamen Motive in schwarz-weiß bilden die Leerstellen und Zwischenräume abseits der durchsanierten Altstädte ab. Bei Tobias Knoblich legen die Bilder längst vergessen Geglaubtes frei. Sie geben seine verblassten Erinnerungen wieder, setzen sie in neues Licht. Sie provozieren ihn. In kurzer Zeit bringt der Kulturpolitiker, inspiriert von den Fotos des TV-Journalisten, vierzig Essays zu Papier. Analytisch wie gefühlvoll, humorvoll bis provokant kreisen seine Texte um »den Osten«; was er heute ist, wer über ihn urteilt und bestimmen darf. Und warum allein der Westen in der doch vereinigten Republik die Maßstäbe setzt. Knoblichs Texte und Kubitzas Fotos verstehen sich als gemeinsame Spurensuche, die in ein Buchprojekt fließt.

Mathias Kubitza, geboren 1984 in Erfurt, ist Autor von Dokumentationen und Reportagen vor allem zu deutsch-deutschen Themen.

Tobias J. Knoblich, geboren 1971 ist Dezernent für Kultur und Stadtentwicklung Erfurts.

Moderation: Michael Helbing (Thüringer Allgemeine)


Lesung und Gespräch

Lars Werner

Zwischen den Dörfern auf hundert. Roman

Mittwoch, 25. Oktober,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

Dresden, Sommer 2006. Während Deutschland im Fußball-WM-Fieber ist, erleben Benni und seine Freunde das Erwachsenwerden im Schleudergang. Hellsichtig und humorvoll zeichnet Lars Werner das Porträt einer ostdeutschen Jugend, die den DDR-Sozialismus nur noch aus Erzählungen kennt, dem nachfolgenden Erstarken des Neonazismus dagegen täglich ausgesetzt ist. So ist dieses Debüt nicht nur eine ambivalente literarische Liebeserklärung an Dresden und sein Umland, sondern auch ein lakonischer Kommentar auf die Zerrissenheit der deutschen Gesellschaft. Werner demontiert den Mythos vom Sommermärchen – indem er sein eigenes erzählt.

Lars Werner, geb. 1988 in Dresden, Autor und Theaterregisseur. 2018 erhielt er den Kleistförderpreis für sein Stück Weißer Raum.

Moderation: Mario Osterland


Lesung und Gespräch

Julianne Stückrad

»Die Unmutigen, die Mutigen«. Feldforschungen in der Mitte Deutschlands

Donnerstag, 16. November,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

Seit zwanzig Jahren erforscht die Ethnologin Juliane Stückrad Gemeinschaften in der ostdeutschen Provinz. Sie begleitet Menschen, die oft von Wut und Unmut beherrscht werden. Und die oft nie den Mut verlieren. Darüber hat sie ein bahnbrechendes Buch geschrieben, das ungehörte und überhörte Geschichten erzählt. Geschichten, die Zugang zur Vielfalt ostdeutscher Lebenswelten bieten und Heimat als Veränderung, Erinnerung und Selbstbehauptung beschreiben.

Juliane Stückrad studierte in Leipzig Ethnologie und Kunstgeschichte. 2010 promovierte sie mit einer Arbeit über die Kultur des Unmuts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Moderation: Stefan Petermann


Lesung und Gespräch

Linn Penelope Rieger + Christoph Wenzel

abraum ostwest. Ein lyrischer Dialog.

Mittwoch, 23. November,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

In ihrem Lyrikband »Abraum, schilfern« erstellt die Lyrikerin Linn Penelope Rieger eine literarische Kartografie der Thüringer Bergbaulandschaft, die in der Wendezeit angesiedelt ist. Christoph Wenzel beschreibt in »landläufiges lexikon« in Gedichten die Gebiete seiner Heimat, dem Ruhrpott.

An diesem Abend kommen beide zusammen für ein Gespräch über den Wandel und wie dieser auf Menschen, Land und Lebensläufe wirkt. Beide stellen (regional) übergreifende Fragen, um erkunden, wo es in ost/west Überschneidungen bei Erfahrungen der Transformation gegeben hat, wobei Unterschiede. Das Gespräch darüber ist verbunden mit lyrischen Streifzügen durch diese gleichen verschiedenen Landstriche.

Linn Penelope Rieger, geb. 1992 in Ilmenau, studierte Philosophie an der Universität Leipzig und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut.

Christoph Wenzel, geb. 1979 in Hamm, Autor, schreibt Gedichte, Drehbücher, Essays, Hörspiele und Romane.


Podiumsdiskussion

»Was erzählen wir uns von Ostdeutschland?«

Mittwoch, 30. November,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

Mit einer Podiumsdiskussion endet die Lesereihe. In diesem öffentlichen Gespräch wollen wir fragen: Welche Bilder zirkulierten in den vergangenen dreißig Jahren über Ostdeutschland? Nach welchen Mechanismen funktionierte diese Öffentlichkeit? Wer erhielt welche Sprecherposition? Wie ist der Stand der Debatte in diesem diskursreichen Jahr? Und fragen wollen wir mit Blick auf das kommende (Wahl)Jahr: Welche Erzählungen über Ostdeutschland fehlen?

Christoph Dieckmann, geboren 1956 in Rathenow, ist Journalist (DIE ZEIT) und Autor.

Ines Geipel, geboren 1960,ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«.

Manja Präkels, geboren 1974 in Zehdenick/Mark, ist Autorin, Essayistin und Sängerin. Für ihren Roman »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß« erhielt sie den Anna-Seghers-Preis.

Antonie Rietzschel, geboren, 1986, leitete mehrere Jahre das Ostbüro der Süddeutschen Zeitung und arbeitet heute bei Leipziger Volksstimme

Moderation: Peter Neumann, Autor, Lyriker, Essayist, arbeitet für das Feuilleton DIE ZEIT.


Lesung und Gespräch

Anne Rabe

»Die Möglichkeit von Glück«. Roman

Donnerstag, 18. Januar 2024,19:00 Uhr, Eintritt 8 / 5 / 1 (WP) Euro

In der DDR geboren, im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Als die Mauer fällt, ist Stine gerade einmal drei Jahre alt. Doch die Familie ist tief verstrickt. In ein System, von dem sie nicht lassen kann, und in den Glauben, das richtige Leben gelebt zu haben. Bestechend klar und kühn erzählt Anne Rabe von einer Generation, deren Herkunft eine Leerstelle ist.

Anne Rabe, geb. 1996 in Wismar, Autorin, schreibt Drehbücher, Essays, Hörspiele und Romane.

Moderation: Stefan Petermann


Eine Lesereihe der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen

Die Podiumsdiskussion wird gefördert von der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Fotorechte: Judith Rinklebe. Foto: Privat; Seline Seidler. Foto: Privat; Anne Rabe. Foto: Annette Hauschild; Tobias Knoblich, Mathias Kubitza. Fotos: Privat. Lars Werner. Foto: Privat; Juliane Stückrad. Foto: Susanne Schleyer; Linn Penelope Rieger. Foto: Johannes Rieger; Christoph Wenzel. Foto: Sascha Kokot; Christoph Dieckmann. Foto: Privat; Ines Geipel. Foto: Michael Zalewski; Manja Präkels. Foto: Christoph Voy; Antonie Reitzschel. Foto: Jungvornweg; Peter Neumann. Foto: Gudrun Senger.