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Prolog zu Novalis
Thüringer Autoren (antiquarisch)

Prolog zu Novalis

Roman

Blumengestecken und Grabplatten umherirrend, die vom langen Ritt fühllosen Beine nicht an den Boden. Ein frisch geschaufelter Meter Erde. Hardenberg schwebte vorbei. Nur als er sich seine Hände und an das Gelübde der Feindschaft, das er ihnen aufgezwungen. Er zog die Rechte unter dem Saum seines Rocks hervor, ballte sie zur Faust und schlug zweimal gegen das schwere Holz, wie der Diener, der ihn am Morgen geweckt hatte.

Vier Jahre vor seinem frühen Tod starb Friedrich von Hardenberg in Gedanken den Freitod, um seiner Geliebten, Sophie von Kühn, in die andere Welt nachzufolgen. Die Episode ist bekannt und in allen Facetten des Sentiments überliefert. Hardenbergs Tatendrang, sein scharf denkender Geist und nicht zuletzt seine christliche Erziehung führten ihn über die Krise hinweg.
Die Autorin erzählt den Beinahe-Tod des Friedrich von Hardenberg mit Elementen des inneren Monologs und des assoziativen Diskurses, der in die historische Kulisse des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts das Nein und das Ja zum Leben als Zeiterfahrung des zwanzigsten Jahrhunderts einwebt.
Hardenbergs neuerliche Hinwendung zum Dasein spiegelte sich in dem Pseudonym NOVALIS: Einer, der Neues pflanzt. Vier Jahre blieben ihm, die Arbeit des Poeten mit der des Salineninspekteurs, Braunkohleforschers und behutsam argumentierenden politischen Philosophen überein zu bringen. Als Sucher der "Blauen Blume" verklärte ihn erst die Nachwelt. PROLOG ZU NOVALIS verschreibt sich einer Feinzeichnung des Bewusstseins, so weit wie sein Held, den Quellen nach, es leidend und handelnd ausschritt.

Autor: Gisela Kraft
Verlag: Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Erscheinungsjahr: 1990
Bestellnummer: ISBN: 3-351-01619-0

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