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Die Fremden
Thüringer Autoren (antiquarisch)

Die Fremden

Unerwünschte Begegnungen und verbotene Protokolle

Mit einem Nachwort von Günter Wallraff

"In der DDR hatte jede Schlägerei ihren logischen Grund: mal zuviel Alkohol, mal Streit wegen eines Mädchens. Es gab immer einen Anlass. Doch heute gehst du friedlich durch die Stadt, und plötzlich tauchen ein paar Gestalten auf, die du nicht kennst, die dich nicht kennen, sie kommen und schlagen dich einfach zusammen. Grundlos", sagte Adelino sehr beiläufig.

Sie kamen im Februar ohne Jacken in Leipzig an, weil man ihnen nicht erklärt hatte, wie man sich im Winter in Mitteleuropa anziehen muss. Sie erwarteten eine Ausbildung und wussten nicht, dass sie nur die Schulden ihres Landes am Fließband abarbeiten sollten. Man hatte ihnen von Solidarität erzählt, aber sie begegneten einer Kälte, die schlimmer war als die des Winters - Mocambiquaner in der DDR.

Landolf Scherzer, der selbst in Mocambique gearbeitet hatte, wollte 1982 wissen, wie diese fremden Arbeiter in der "neuen Heimat" behandelt wurden, wie die Hiesigen über sie dachten. Nun, zwanzig Jahre später, als das Gespenst der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland umgeht, nimmt er die Spuren der wenigen hiergebliebenen Mocambiquaner auf, und aus ihren Erzählungen entsteht ein nuanciertes Bild vom Fremdsein in Deutschland damals und heute.

Mit diesem Buch und weiteren Reportagen zu Nationalismus oder Antisemitismus in anderen Ländern greift Landolf Scherzer direkt in die brisanten Debatten über Fremdenhass und Asylsuchende ein.

"Die meisten Menschen in Deutschland waren garantiert für die Abschaffung der Apartheid in Südafrika. Aber sobald die Apartheid vor der eigenen Haustür stattfindet, gelten andere Maßstäbe." Günter Wallraff

Autor: Landolf Scherzer
Verlag: Aufbau-Verlag GmbH
Erscheinungsjahr: 2002
Bestellnummer: ISBN 3-351-02543-2

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