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Burgruinenblues
Edition Muschelkalk

Burgruinenblues

Gedichte

Warum ein "Sommer im Paradies" ein ganz irdisches Vergnügen ist, kann in dieser lyrischen Landeskunde nachgelesen werden, die vom Hermsdorfer Kreuz bis in des Dichters "eigene Antike" führt.

 

Sommer

 

Die Stadt mit Tarnfarbe bestrichen, was
steckt darin? Ein Lispeln, mit trockenem
Hals, entzifferst du als Liebesschwur.
Der Lichtstrahl reicht Tage, den

geteilten Himmel zu verschweißen,
als wäre nichts als Rauch gewesen,
woran das Auge seine Wimpern reibt.
Der Stieglitz ist keine Silbe mehr

verschossen als wer das Zauberwort
jetzt in die Haut graviert, die Kühle
ist ein Salz, das auf deinem
Zungenmoos gefriert. Das Gras,

von Grillen okkupiert, wie das Tal,
vertausendfacht, aus den Motoren schreit.
Bin ich dort ein anderer, wo
mein Schatten anders fällt,

wie stellst du dir das vor? Hinter
den Lidern der Regenbogen
zieht neue Saiten auf, was
aus den Blättern spricht

und dann wie nie gewesen ist:
Nichts währt endlos, kommt
es dir zu Ohr, nichts von dem,
was jede Amsel ewig schwadroniert.

Autor: Jan Volker Röhnert
Verlag: Kai Agthe
Erscheinungsjahr: 2003
Bestellnummer: ISBN3-86160-312-8

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